| Entartet, denn der Künstler ist zu vielseitig. | - | Entartete Kunst 2018 |

Direkt zum Seiteninhalt
Entartete Kunst 2018.

Ich bin Berzan Kejo     
In Syrien wurde ich verboten als Künstler, der nicht der Baath Partei angehört und deshalb nirgendwo in den öffentlichen Galerien und Ausstellungshallen ausstellen konnte.
Und im demokratischen Deutschland ?
Die Baath Partei wollte mich als ihr Sprachrohr, so hätte ich mich als Künstler zum Erfolg durchschleichen können.
In Deutschland muss ich mich an die vorherrschenden Themen bzw. die Modekunst anpassen oder ich und meine Kunst müssen draußen bleiben.
Migration ist die Suche nach Heimat, nach einem Ort, wo man „adoptiert“, wo man aufgenommen wird.

Das beschäftigt mich: Flucht und ihre Folgen.
Es ist mein Leben. Vor 30 Jahren ging ich ins Exil, suchte Schutz für Leib und Leben und für meine Kunst.
Meine Themen sind der Mensch, die Gerechtigkeit und menschliches Leiden unter Ungleichheit, Isolation und Ausgrenzung.

Migration ist keine Einbahnstraße. Integration sind zwei Schritte.
Jeder macht einen Schritt, damit man in der Mitte zusammen kommt.

Seit März 2011 treibt mich die syrische Revolution an. Der tiefe Fluss meiner Emotionen ist zu einem reißenden Strom geworden. Meine Kunst ist mein seelisches Brot, meine Werke sind Spiegel meines Ich.
Meine Kunst ist auch mein Widerstand.
Widerstand gegen Rassismus, gegen Ausgrenzung.
Dies habe ich vor mehr als 30 Jahren gesagt und jetzt noch mehr.
Demokratie bedeutet Schutz der Vielfalt, und jeder Künstler hat seine Prioritäten und eigene Themen.

Solange man Migranten nur als Last und Chaosverursacher, als Gewalttäter und Eindringlinge sieht und alle in einen Topf schmeißt, und nicht als kulturelle Bereicherung des Horizonts des „Gastgeberlandes“, bleiben alle integrativen formellen Bemühungen unwirksam auf der Strecke stehen.

Entartet: anders denken, malen oder schreiben.
Entartet, sagen meine viele Absagen.
Entartet, denn der Künstler selbst und seine Werke sind ein Eindringling.
Entartet: jede Kunst, die nicht im Mainstream  mitmacht.
Entartet sagt der rote Strich über Namen und Herkunft.
Entartet: das Kind im Märchen vom Kaiser mit den neuen Kleidern.
Entartet: nicht malen, was vorgeschrieben wird.
Entartet, denn der Künstler ist zu vielseitig.

Ich habe in wenigen Monaten viele Absagen von Galeristen, Museen und Kunstinstitutionen in Deutschland bekommen.
Unter den hunderten von Absagen waren drei Zusagen. Diese drei waren keine Deutschen, sondern Ausländer.
Als ich die Absagen bekommen habe, habe ich die Seiten dieser Absager besucht.
Ich sah ungewaschene Unterhosen und Kautschukpenisse.
Wer beurteilt, was Kunst ist?
Die Geld- und Machthaber, in deren Strategie das eine passt und das andere nicht?
Hat es mit Themen zu tun? Ist in Deutschland das Thema Flucht und ihre Folgen in Zusammenhang mit Syrien, so wie ich es sehe, ein Tabu?
Eine ehrliche Willkommenskultur gibt den Migranten mehr Freiraum, sich zu entfalten, mehr zu geben und zu bereichern, zu vervielfältigen und bunter zu machen und dieses Land mit zu gestalten.

Ich bin kein Sprachrohr für niemanden, weder für eine Partei, noch für eine Religion, noch für sonstige Gruppierungen, sondern nur für Menschlichkeit und Gerechtigkeit.

Thematische Kunst entarten ist die Angst vor der Wahrheit.
Thematische Kunst entarten ist Vertuschen.
Thematische Kunst entarten ist das Abdecken des Sonnenlichts mit einem Sieb.
Seit mehr als 30 Jahren frage ich mich jeden Tag:
Wann werde ich wie ein gleichberechtigter Mensch, Künstler und Autor behandelt?
Solange ein Ausländer in Deutschland Döner verkauft oder als Straßenfeger arbeitet, passt alles ins Bild. Aber wehe, wir klopfen an Türen, die nicht für uns bestimmt sind.

Kein Migrant erwartet fliegende Brattauben von Himmel im Aufnahmeland.
Fremd sein ist eine Prüfung, die nicht jeder besteht.

Entartet: wenn die Minderheit über die Mehrheit herrscht.
Entartet: wenn die Demokratie zu einer sauberen Diktatur wird.
In Syrien war der Tyrann grob, und es war mir verständlich, dass ich als Staatenloser und meine Kunst als entartet deklariert wurde.
In meinen Ausstellungen in Deutschland treffe ich viele Besucher, die meine Werke mit Begeisterung aufnehmen und sich im Herzen berührt fühlen.
Da bemerke ich den riesigen Unterschied zwischen den Menschen, die an Kunst interessiert sind und den Lobbyisten des herrschenden Kunstgeschmacks.
In Syrien wird all dies von einer Familie gesteuert und in Deutschland von einer erbarmungslosen Schicht beherrscht.
Ich bin vom Regen in die Traufe gekommen.
Bei uns in Deutschland: wer anders denkt, oder anders Kunst macht oder schreibt der bleibt… aber draußen!
Aber nicht vergessen:
Durch Entartete entsteht mehr Widerstand, Kraft, Mut und Kreativität,  zu kämpfen.
30 Jahre Kampf um Freiheit und Gerechtigkeit für den Menschen und die Kunst.

Entarten ist Rassenhass, Diskriminierung
Entarten ist die höchste Stufe des Fundamentalismus
Entarten ist wie ein KZ ohne sichtbaren Stacheldraht und mit Minigiftvergaser  
Entarten ist, wenn die Täter die Rolle des Opfers spielen
Entarten ist jemanden aus seiner Haut ziehen
Entarten ist Faschismus

Entartete Kunst hat in Nazizeiten angefangen. Wann wird sie aufhören?

Ich bin wie das Feuer: je mehr man hineinpustet, umso brüllender werde ich.
Ich suche nicht nach Feinden, sondern nach Freunden, auf gleicher Augenhöhe.
Ich bin ein fruchtbarer Baum, der nach seinem Platz in der Plantage sucht.













Gefällt mir nicht, Einspruch!

Kein Flüchtling verlässt seine Heimat freiwillig.

Nach mehr als 30 Jahren leben im Exil, in Deutschland:
Die Deutschen sagen: "Wir sind in einem demokratischen Land."
Ich antworte: „Ich spüre diese Demokratie nicht.“
Was ich spüre, ist:
Mehr als 30 Jahre Unzufriedenheit, Ausgrenzungen, Diskriminierung, Fremdsein, Niemandsein.
Und mehr als 30 Jahre mich in Schweigen hüllen bedeutet nicht, dass ich ja zu allem gesagt habe und alles gut fand.
Das Warten, dass eines Tages der Stein weich wird und dass ich diese Demokratie spüren kann.
Und sie nicht nur vorgegaukelt bekomme.
Das Warten, dass eines Tages alles anders wird, hat seine Obergrenze erreicht. Die Schmerzen auch.
Ich erneuere nun die Entartete Kunst. Ich weiß, dass viele Deutsche daran Anstoß nehmen werden.
Einige werden sagen:
"Er spinnt, das kann nicht sein, er lügt. In unserem demokratischen Deutschland gibt es so was nicht mehr. Er hasst uns. Das ist ein Vorurteil. Warum ist er noch hier?“
Ich antworte: „Flucht ist nicht so einfach wie von einem Haus zu einem anderen zu gehen. Fragen Sie mich.“
Mein gescheiterter Versuch in Schweden war der zweite und wird nicht der letzte sein. Sonst wäre ich gezwungen, mich mein ganzes Leben mit der neuen Entarteten Kunst zu beschäftigen.
Das Leben wird für mich nach dieser Erklärung der Entarteten Kunst 2018 im heutigen Deutschland nicht besser werden als es war.
Es wird bestimmt schlimmer werden, weil der deutsche Nationalismus stärker ist als Liebe, Verwandtschaft, Freundschaft und Solidarität.
PS: kurze Zeit nach der Veröffentlichung dieser Seite haben bereits einige deutsche „Freunde“ diese Meinung bestätigt .

Alles, was ich schildere, bezieht sich auf mich und ist aus meiner Sicht. Als Kurde, Syrer, Ausländer und Künstler der in einem von Fremdenhass beherrschten Land wie Deutschland festsitzt.
Ich hätte gerne ganz das Gegenteil über ein Land wie Deutschland gesagt, in dem ich mehr als die Hälfte meines Lebens verbracht habe.
Aber ich kann mich nicht mehr belügen, vor allem, wenn es um mich geht, um mein Leben, meine Würde, mein Menschsein und Künstler sein.
Demokratie bedeutet, zu reden und zuzuhören. Ich habe Deutschland und den Deutschen mehr als 30 Jahre vergeblich zugehört.
Nun komme ich zu Wort.
Besuchen Sie mich in den sozialen Netzwerken.
©  1998-2018 Copyright www.moving-art.de by Berzan Kejo
01335
Zurück zum Seiteninhalt